paydirekt – Neuer Online-Bezahldienst als Chance für Versicherer?

Konkurrenz für PayPal?


Mit dem von deutschen Banken und Sparkassen gemeinsam entwickelten Online-Bezahlverfahren paydirekt trat Mitte 2015 ein neuer Player auf den Markt der online-Bezahlsysteme. Online-Payment "made in Germany"

Gedacht ist das Verfahren als Alternative zum etablierten Marktführer PayPal. Bei Kunden hierzulande soll die Tatsache, dass paydirekt von deutschen Banken entwickelt wurde und sich auf deutsche Standards und eine heimische Serverlandschaft beruft, die Akzeptanz des neuen Zahlungssystems erhöhen und dadurch den Markteintritt erleichtern.

paydirekt tritt dabei im Gegensatz zu PayPal nicht als Drittanbieter auf. Zahlungen werden über die Girokonten der Kunden bei den teilnehmenden Banken abgewickelt. Voraussetzung für die Teilnahme ist somit ein Girokonto – eine Abwicklung über Kreditkarten ist aktuell nicht möglich. Aktuell nehmen etwa 1.400 einzelne Bankinstitute, inklusive der Sparkassen an dem Verfahren teil. paydirekt wirbt deshalb auch mit einem Potenzial von über 50 Millionen onlinefähigen Girokonten.

Die Zahl der teilnehmenden Händler indes ist noch ausbaufähig. Laut paydirekt sind mit Stand April 60 Händler angeschlossen.

paydirekt – Etablierung im Versicherungsbereich?

Für mich stellt sich die Frage, ob und wie sich paydirekt im Versicherungsbereich etablieren kann. Dafür sind aus meiner Sicht gleich mehrere Hürden zu nehmen:

Digitalisierung des Zahlungsverkehrs von Versicherungen im Allgemeinen

Die Digitalisierung wurde mittlerweile von den Versicherern aufgegriffen. Es werden ThinkTanks und neue Konzerneinheiten ins Leben gerufen, die das Thema vorantreiben. Hauptsächlich geht es dabei um die immer enger werdende Interaktion mit den Kunden. Die In- und Exkasso-Prozesse der Versicherer stehen dabei allerdings selten im Vordergrund. Das zeigt sich auch in unseren Studien zur Digitalisierung des Zahlungsverkehrs im Versicherungsbereich.

Der Aufwand für das Einrichten und Einbinden neuer Zahlungsverkehrsprozesse rund um paydirekt muss also durch einen klaren betriebswirtschaftlichen Mehrwert begründet werden, will sich ein solches Projekt in der Portfolioplanung durchsetzen.

Als hilfreich für die Unterstützung der digitalen Agenda erachte ich die Integration von sogenannten "Bezahl-Links" auf Rechnungen oder in Emails der Versicherer. Dadurch ergibt sich auf der Kunden-Seite ein Komfortgewinn beim Bezahlen und auf der Versicherer-Seite eine Reduzierung bei den Klärarbeiten im Zahlungseingang. Zu solchen Funktionalitäten ist paydirekt aktuell im Dialog mit den Versicherern.

Wie in die In- und Exkasso-Landschaft der Versicherer integrieren?

Neben der Integration von paydirekt in bestehende Homepages oder Portale von Versicherungsunternehmen müssen eventuelle Folge- oder Spezialprozesse (etwa: Storno, Teilzahlungen, Ratenpläne, wiederkehrende Zahlungen) in die bestehende In/Exkasso-Landschaft integriert werden. Hier stellt sich die Frage, wie schlank und stabil eine solche Anbindung in die Zahlungsprozesse gelingen kann. Oftmals liegen auf Seiten der Versicherer komplexe Anwendungslandschaften vor, die in einem integrierten Zahlungssystem wie SAP FS-CD münden. Eine Erhöhung der Komplexität und die damit verbundene Fehleranfälligkeit bzw. Mehrkosten bei Wartung und Weiterentwicklung dürfen mit dem Einrichten eines neuen Bezahldienstes nicht einhergehen.

Der tatsächliche Geldfluss zumindest wird über die regulären Girokonten der Beitragszahler laufen, so dass an dieser Stelle auf etablierte Prozesse zurückgegriffen werden könnte.

Marktpositionierung von paydirekt

Eine digitale Bezahlmethode wird dann genutzt, wenn Kunden diese kennen und als bequem, zuverlässig und sicher einstufen – siehe hierzu auch: Für Versicherer: 11 Thesen über die Entwicklung des Zahlungsverkehrs. Paydirekt tritt in einen Markt ein, auf dem PayPal genau diese Prädikate bereits erfolgreich besetzt. Das kommt der Strategie, paydirekt als heimische (und somit sichere) Variante des online-Bezahlens zu etablieren, nicht gerade entgegen. Den von paydirekt beworbenen Käuferschutz bietet PayPal ebenso an wie die Möglichkeit, bequem über eine App Zahlungen zu tätigen. Es muss allerdings bei Bedarf für jedes Girokonto ein separates paydirekt-Konto eingerichtet werden.

Die Frage wird also sein, wodurch sich paydirekt vom großen Konkurrenten abgrenzen und was kann in Abgrenzung zu PayPal als Mehrwert geboten werden. Als potentielles Beispiel hat mein Kollege André Preiß in seinem letzten BLOG-Beitrag das Thema "Einlösungsgarantie für den Versicherer bei wiederkehrenden Zahlungen" aufgeworfen.

Welchen Hebel nutzen?

PayPal ist etabliert und somit eine feste Größe auf dem Markt der online-Bezahldienste. Das Unternehmen hat einfach früh genug die damit verbundenen Chancen erkannt. Zusätzlich war der Kauf durch eBay und das Einbinden von PayPal als Zahlungsmethode auf der Verkaufsplattform ein weiterer wichtiger Faktor. Ein solcher Hebel ist für paydirekt aktuell nicht in Sicht. Der bekannteste Name unter den teilnehmenden Onlineshops ist Haribo – zum Jahresende 2016 ist die Anbindung der Elektronik-Fachhändler MediaMarkt und Saturn avisiert.

Könnte also die eine Zusammenarbeit zwischen paydirekt (bzw. den deutschen Banken) und den Versicherern ein Hebel zur Etablierung sein? Hier wäre ein Invest von paydirekt in die Schaffung von einheitlichen Standards und Schnittstellen in die In/Exkasso-Landschaften von Versicherern denkbar, dem dann etwa Einnahmen aus transaktionalen Gebühren je Zahlungsvorgang entgegenstünden.

Fazit

paydirekt als neuer Dienstleister im Zahlungsverkehr wird es ohne klar erkennbaren Mehrwert gegenüber dem Platzhirschen PayPal schwer haben. Ein Hebel für eine flächenweite Nutzung könnte die Zusammenarbeit mit den Versicherern sein – wenn gemeinsame Standards und Schnittstellen die Integration in die In/Exkasso-Landschaft von Versicherern einfach machen. paydirekt könnte dann auf dem sensiblen Gebiet Zahlungsverkehr mit der Vertrauens- bzw. Sicherheitsfrage punkten und die digitale Agenda der Versicherer vorantreiben.

Auf der diesjährigen GDV Fachtagung Zahlungsverkehr hat sich paydirekt vorgestellt – zwar als Bezahlsystem für Kunden und Handel – aber der Dialog mit den Versicherern ist wenigstens schon mal gestartet.