Bericht von der GDV Fachtagung Zahlungsverkehr 2017 in Köln

GDV Fachtagung Zahlungsverkehr 2017

 

Mitten im Wonnemonat Mai war es wieder so weit. Wie jedes Jahr trafen sich Entscheider, Dienstleister, Bankenvertreter und Interessierte zur GDV Fachtagung Zahlungsverkehr in der Domstadt. Der abwechslungsreichen Agenda war anzumerken, dass die SEPA-Welle nun endgültig vorbeigezogen ist und wieder andere Fragestellungen und Inhalte auf der Agenda stehen. Hier eine Auswahl einiger Vorträge: 

GDV.2017 - Rolle des Zahlungsverkehrs in der neuen Verbandsstruktur und aktuelle Verbandsaktivitäten

Den Start legten Frau Dr. Mareike Lohmann und Herr Patrick Maeyer vom Verband hin und stellten aktuelle Verbandsthemen vor. Interessant hier das Netzwerk Zahlungsverkehr als Networking-Plattform für Erfahrungsaustausch, Abstimmung von Branchenpositionen, Erarbeitung von Hilfestellungen für die Branche und die fachliche Unterstützung des Verbandes. Geleitet wird das Netzwerk aktuell von Ralph Herchenbach.

Hier wurde der Bogen über die neue Verbandsstruktur hin zu den Themen geschaffen, die sich momentan auf dem Radar befinden. Dazu gehören:

  • Begleitung bei Querschnittsthemen wie dem Abrechnungsverkehr im Führungs- und Beteiligungsgeschäft. Hier stehen im Fokus die Digitalisierung und Standardisierung dieses sehr komplexen Prozesses in der Versicherungswirtschaft
  • Aufbau eines Anforderungskatalogs zur Integration alternativer Zahlvefahren
  • Aufstellung von Use-Cases zur Nutzung der Blockchain-Technologie in der Assekuranz
  • Aufbau einer Branchenposition zu Instant Payments
  • Umsetzung der PSD 2, insbesondere Surcharging-Verbot ab 2018 (Entgeltverbot für die Nutzung bargeldloser Zahlungsmittel) 

Als fester Bestandteil des Ausschusses für Betriebstechnik, Digitalisierung und IT (BDIT) definiert sich das Netzwerk als Eckpfeiler für alle Fragen rund um die Entwicklungen im versicherungstechnischen Zahlungsverkehr.

Aktuelle Entwicklungen im Zahlungsverkehr der ERGO - Erfahrungsbericht zu und Anforderungen an neue Zahlverfahren

Der nächste Vortrag hatte dann das Ziel die hohen Erwartungen an innovative Zahlverfahren etwas auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Herr Wolfgang Adamiok von der ERGO empfahl eindringlich einen kritischen Umgang mit entsprechend hochtrabenden Presseartikeln, die sich der Breitenanwendung von alternativen Zahlverfahren widmen. Beeindruckend war hier die Darstellung der Anbieter, die den Markt wieder verlassen haben. O-Ton Herr Adamiok: "Kein Kunde kauft ein Produkt bei uns, weil man es so innovativ bezahlen kann!". Auch bei der ERGO ist automatisierter und kostengünstiger Zahlungsverkehr das Ergebnis täglicher, harter Arbeit und jedes neue Zahlverfahren durchläuft einen definierten Prozess der Entscheidungsfindung. Dabei wird sich an den folgenden Parametern orientiert:  

  • Kosten
  • Sicherheit
  • Kundenerwartung
  • Umsetzung & Handhabung
  • Klare Problem- und Anforderungsdefinition 

Fazit: Hip und innovativ im Zahlverfahren allein reicht nicht, um am Markt erfolgreich zu sein.  

Entwicklungen und Erkenntnisse zum Zahlungsverkehr - ein Blick in die Versicherungswirtschaft

Der Vortrag von Dr. Georg Wittmann vom ibi Research hielt neben sicherlich bekannten Kräfteverhältnissen im Zahlungsverkehr der Versicherungswirtschaft doch die eine oder andere Überraschung bereit. Das ibi Research hat gemeinsam mit der ppi eine Expertenbefragung zum Thema Zahlungsverkehr in der Versicherungswirtschaft durchgeführt. Dabei kam es zu den folgenden Erkenntnissen:

  • Lastschrift und Rechnungszahlung werden von den Versicherern nach wie vor am häufigsten angeboten, wobei die Lastschrift - aufgrund der geringen Kosten - die größte wirtschaftliche Bedeutung hat.
  • Als neue Zahlverfahren stehen paydirekt und Kreditkarte in den nächsten zwei Jahren im Planungs-Backlog der Versicherungen.
  • Im Exkasso dominieren Scheck und Überweisung weiterhin, alternative Verfahren wir paypal oder paydirekt wirken hier doch recht abgeschlagen. Der Aufholprozess hat aber lt. Befragung begonnen.
  • Von der Einschätzung her wird das Exkasso über die Kreditkarte durchaus als Alternative wahrgenommen. 

Zum Abschluss noch eine Einschätzung zu den Instant Payments. Zahlungen zukünftig in Echtzeit durchführen zu können hält eine Mehrheit der befragten Experten durchaus für sinnvoll und überlegenswert, wobei konkrete Anwendungsszenarien noch nicht benannt wurden.

Barzahlen.de - ein Praxisbericht

Danach schloss sich ein interessanter Bericht von Dr. Alexander Quadt - Axa an zum Thema Barzahlen.de. Hier hat die Axa im Rahmen des versicherungstechnischen Forderungsmanagements gute Erfahrungen mit dieser Lösung gemacht. Man setzt hier klar auf die Begleichung von notleidenden Verträgen mittels Bargeld, um gerade in der Telefonie mit dem Kunden Eskalationspotenzial zu vermeiden. Dabei wird dem Kunden ein Dokument zur Verfügung gestellt mit dem er bei verschiedenen lokalen Händlern seinen Rückstand bar begleichen kann. Über den Intermediär "Barzahlen.de" erhält der Gläubiger umgehend eine Zahlungsinformation. Laut eigenen Aussagen standen bei der Implementierung nicht unbedingt Kosten-Nutzen Aspekte im Vordergrund, sondern das schnelle go-to-market mit einem neuen und durchaus spezifischem Zahlweg. Zumindest wurden die ursprünglichen Prognosen was Nutzung und Transaktionsanzahl angeht bei weitem übertroffen.

Instant Payments - Nutzen und Implikationen für die Versicherungswirtschaft

Mit dem Vortrag von Frau Corinna Lauer tauchten wir dann in die Welt von "Instant Payments" oder auch Echtzeitzahlungen ab. Der Titel "Instant Payments - Nutzen und Implikationen für die Versicherungswirtschaft" bot einen Einblick in den aktuellen Stand und mögliche Nutzenpotenziale von Echtzeitzahlungen. Folgende Eckpunkte bietet dieses Verfahren des European Payment Councils:

  • Ausgangszahlungen werde innerhalb von 10 Sekunden dem Empfängerkonto gutgeschrieben
  • Das kontoführende Institut muss erreichbar sein und diese Zahlung akzeptieren, ansonsten wird die Transaktion zurückgewiesen
  • Zunächst besteht ein Maximalbetrag von 15.000 €. Dieser wird ggf. später erweitert. 

Nach einer kurzen Einführung in das technische Schema und der Kommunikation zwischen den Beteiligten zeigte Frau Lauer einige allgemeine Use-Cases zwischen verschiedenen Beteiligten und dann speziell für die Versicherungswirtschaft auf. Diese beschränken sich aber auf die Entwicklung von ad-hoc und Kleinstversicherungen sowie auf eine Beschleunigung der Auszahlung in der Schadenregulierung. Der eindeutige Kundennutzen hat sich dem Zuhörer aus meiner Sicht aber nicht unmittelbar erschlossen.

Fazit: In den Pausengesprächen wurde das Schema als interessant gewertet, allerdings nur als Beimischung in den bestehenden Zahlungsverkehrsmix.  

Blockchain - Chancen und Auswirkungen für die Versicherungswirtschaft

Zu guter Letzt noch ein Überblick zum aktuellen Hype-Thema "Blockchain" in der Assekuranz mit dem Vortrag von Dr. Markus Hablizel (Allianz). Herr Dr. Hablizel bezeichnet Blockchain als das derzeit heißeste Thema in der Fintech Welt und das Auditorium war entsprechend gespannt. 

Zunächst eine Einführung "Was ist überhaupt Blockchain?" mit dem Überblick über interessante Presseartikel und Veröffentlichungen. Hier die Links auf die zwei wichtigsten Beiträge:

www.economist.com/news/leaders/21677198-technology-behind-bitcoin-could-transform-how-economy-works-trust-machine

nakamotoinstitute.org/bitcoin

Hervorzuheben ist der Grundsatzbeitrag von Satoshi Sakamato über Bitcoin vom 31. Oktober 2008. Wobei Bitcoin hier nicht mit der Blockchain Technologie gleichzusetzen, sondern nur als eine Anwendung derselben anzusehen ist.

Was sind aber nun wesentliche Parameter und Komponenten, die diese Technologie beschreiben? Dazu gehören:

  • eine asymmetrische Kryptographie
  • ein verteiltes Netzwerk
  • als Ergebnis eine Kette von Transaktionen in Blöcken, die mit Zeitstempeln versehen sind
  • Keine direkte Datenspeicherung, sondern reiner Speicherung von Hashwerten

Daher auch die Bezeichnung Blockchain.  

Ein schöner Vergleich macht das Ganze dann etwas plastischer. Während im herkömmlichen Zahlungsverkehr immer eine sog. "Trusted Third Party" an klassischen Transaktionen beteiligt ist, nutzt Blockchain sog. "peer-to-peer" Transaktionen.  Vergleichen kann man das mit der klassischen Bargeldübergabe zwischen zwei Personen in der analogen Welt. Dieses Schema wird durch Blockchain in die digitale Welt übertragen, so dass die Notwendigkeit einer "Trusted Third Party" obsolet wird. D. h. ein Intermediär wie ein Kreditinstitut oder sonstiger Provider wäre dann nicht mehr notwendig. Die Transaktion wird dann unmittelbar zwischen zwei Beteiligten (peers) ohne den Einsatz eines Dritten (Trusted Third Party = Kreditinstitut) in einem dezentralen Netzwerk abgewickelt und die Nachrichtenkette wird einfach weitergeschrieben.

In der Blockchain Insurance Industrie Initiative (B3i) haben sich nun namhafte Versicherer zusammengeschlossen, um gemeinsam einen Blockchain-Prototypen ins Leben zu rufen. Dieser fokussiert zunächst auf Prozesse in der Rückversicherung. Mehr dazu unter

http://www.insurancejournal.com/news/international/2017/02/06/440629.htm

Dr. Hablizel skizziert den Rahmen der Anwendung in einem 3-Schichten Modell. Hier kann die Technologie zwischen den folgenden Beteiligten zur Anwendung kommen:

  • Innerhalb einer Organisation
  • Innerhalb einer Industrie
  • Industrie-übergreifend  

Dabei wären die folgenden Use-Cases vorstellbar:

  • Kommunikation einer Schadenfreiheitsklasse (innerhalb einer Industrie)
  • Fahrzeug An- und Abmeldung (Industrie-übergreifend)
  • Eigentümerhistorien für Wertgegenstände, als Beispiel fungiert hier Everledger als Dokumentation in der Diamanten-Industrie zur Betrugsvorbeugung. s. a. https://www.everledger.io/
  • Als technologische Grundlage für das Hinweis- und Informationssystem des GDV zur Vermeidung von Betrug und Missbrauch bei der Schadenregulierung (innerhalb einer Industrie)
  • Als Plattform für einen dezentralen Versicherungsmarktplatz, wobei sich das klassische Versicherungsunternehmen auf die Rolle aus Risikoträger zurückzieht (Industrieübergreifend, wenn auch weitere Beteiligte einbezogen werden) 

Fazit: Insgesamt ein lehrreicher und unterhaltsamer Überblick, der viele Ideen ins Rollen bringen wird. Inwieweit und wann wir damit völlig neue Geschäftsmodelle in der Versicherungswirtschaft sehen werden, bleibt zu beobachten.