Versicherer leisten sich Digital Labs – Und was bringts?

Und was bringen digitale Labs?


Wer sich zurzeit mit Digitalisierungsprozessen beschäftigt – und man müsste ja eher fragen "Wer tut das nicht?", stolpert immer häufiger über den Begriff "Digital Lab". Mit Hilfe von innovativen Start-Ups und Beratern sollen komplett neue Geschäftsmodelle für Unternehmen entwickelt und Prozesse digitalisiert werden. Auch die deutschen Versicherer sind bei diesem Thema dabei: Allianz, AXA, ERGO, W&W – viele haben bereits solch ein Labor erschaffen. Was machen die Versicherer konkret? Und vor allem, mit welchem Erfolg? Hier ein Statusbericht:

W&W treibt Digitalisierung voran

In der W&W-Gruppe wurden digital affine Mitarbeiter zum Expertennetzwerk "Digital Citizens" (DC) zusammengeschlossen. Als interne Multiplikatoren informieren die sogenannten DCs über den digitalen Wandel und die Chancen im Unternehmen. So soll die interne Vernetzung im Rahmen der Digitalisierung gefördert und ein kultureller Wandel in Gang gesetzt werden.

Im Rahmen der Weichenstellung zur Konzern-Digitalisierung wird das bisher rein W&W-interne Startup "Digitale Werkstatt" zusammen mit der etventure GmbH als W&W Digital GmbH in Berlin fortgeführt. Ziel der Gesellschaft ist der Aufbau und der Betrieb von digitalen Geschäftsmodellen aller Art. Zusätzlich soll diese Beteiligung die W&W-interne Digitalisierung fördern, sowie die Produktentwicklung und das Cross-Selling vorantreiben. Als innovativer Vordenker und Treiber für die digitale Transformation im Sinne der Kunden agiert seit Anfang 2016 das Digital Customer Office (DCO). Das DCO ist verantwortlich für die Erfüllung der Kundenwünsche, die im Zusammenhang mit der Digitalisierung stehen.

Mit dem "Wüstenrot Wunschmieter" startete zu 12/2015 das erste Produkt der digitalen Werkstatt. Mit dem "Wunschmieter" sollten Immobilieneigentümer in der Vermietung und Verwaltung ihrer Objekte unterstützt werden und bei Bedarf Services von Immobilienexperten buchen können. Das Angebot ist online allerdings nicht mehr vorzufinden.

Nächster Versuch – die Online-Plattform "Megameister". Mit dieser Lösung sollen Qualitätshandwerker und Kunden schnell und einfach zusammengebracht werden. Erinnert irgendwie an MyHammer – geworben wird mit mehr Qualität gegenüber anderen Onlineanbietern. Naja, neu und bahnbrechend ist das noch nicht. Aber, es bleibt abzuwarten was da in der Zukunft noch kommt.

ERGO Digital Lab setzt auf junge Kreative und Start-Ups

In Berlin experimentieren und forschen die Mitarbeiter des ERGO Digital Lab für die Zukunft. Wie die ERGO bereits in 04/2015 auf ihrem BLOG berichtete, arbeitet das Digital Lab eng mit den Schnittstellen bei ERGO und ERGO Direkt zusammen und will herausfinden, was in Zukunft gebraucht und nachgefragt wird. Neben der Entwicklung von Mobil-Apps geht es vor allem um die Schaffung neuer Geschäftsmodelle. Hinsichtlich Mobil-Apps existieren hier bereits einige kostenlose Angebote für Versicherungsnehmer und potentielle Neukunden. Zum Beispiel das Starter Kit App der ERGO Direkt. Eine App die einem zeigt, welche Versicherungen man denn nun wirklich braucht.

Nach eigener Aussage arbeitet das Team des ERGO Digital Lab mit jungen Kreativen und Startup-Unternehmen zusammen. Außerhalb der gewohnten Versicherungswelt wird nach Erfolgsmöglichkeiten gesucht, um diese nach Forschung und Prüfung im Lab hinein in das Unternehmen zu tragen. So sorgt das Zukunftslabor gemäß seinem Leiter Sebastian Pitzler immer mal wieder für eine kleine Revolution. Ansonsten ist vom ERGO Digital Lab in der Öffentlichkeit aber eher weniger zu hören. Ggf. werden wir mehr erfahren, wenn zu 09/2016 die neu geschaffene Einheit ERGO Digital Ventures Ihren Dienst aufnimmt.

AXA Lab verfolgt große digitale Ziele im Silicon Valley

Bereits seit 2013 betreibt die AXA ihr Digital Lab im kalifornischen Silicon Valley. Ziel der Unternehmung, die unter dem Titel “AXA Lab” firmiert, ist lt. Versicherungswirtschaft-heute die neuesten Trends aufzuspüren, die digitale Unternehmenskultur zu entwickeln und Pilotprojekte anzustoßen. Im Silicon Valley will die AXA Kontakt zu den führenden Technologiekonzernen der Welt aufbauen und dabei den Anschluss zu vielversprechenden Newcomern suchen und nach neuen Distributionsmöglichkeiten fahnden.

In 09/2015 wurde bekannt gegeben, dass AXA 100 Mio. Euro in die Gründung eines Insurtech-Unternehmens namens Kamet investiert. Kamet hat das Ziel als Fintech-Inkubator disruptive Produkte und Dienstleistungen für den Konzern zu entwickeln.

Und dann wäre das noch der AXA Innovation Campus. Bereits in 2014 gemeinsam mit dem Global Innovation Campus gegründet, sollen mit diesem junge, unternehmerisch agierende Gründer dazu aufgerufen werden, kreative Ideen zu versicherungsnahen Themenfeldern einzureichen und diese innerhalb des Campus – mit Unterstützung von AXA-internen Experten und dem Innovation Campus Netzwerk – in marktreife Geschäftsmodelle zu transformieren. Zielsetzung ist es, die besten Ideen umzusetzen und Start-Ups zu gründen, um aus ihnen fruchtbare Geschäfte zu ent­wickeln. Mehr dazu in der AXA Pressemitteilung.

Vom Allianz Digital Accelerator zur Allianz X

Der Allianz Digital Accelerator wurde 2013 gegründet um neue Geschäftsmodelle für die Allianz zu bauen, umzusetzen und zu implementieren. Zwischenzeitlich firmiert der Accelerator unter Allianz X und wirbt auf seiner Onlinepräsenz als Company Builder der Allianz Gruppe. Allianz X setzt auf Entrepreneurship und sucht Unternehmer im Unternehmen zur Umsetzung von visionären InsurTech-Ideen. Hierzu bietet die Allianz das entsprechende Arbeitsumfeld, um neue Unternehmungen innerhalb von 6 Monaten von der Idee zum Markteintritt zu führen.

Mit Allianz X wurden u.a. die Projekte MileBox und Seaswien umgesetzt.

Bei der MileBox App werden die User für verantwortungsvolles Autofahren belohnt. Ein Algorithmus analysiert Fahrdaten auf spezielle Sicherheitsaspekte, wie z.B. Fahren innerhalb der jeweiligen Geschwindigkeitsbegrenzung oder abruptes Beschleunigen, bzw. Bremsen. Daraus wird berechnet, wie viele der zurückgelegten Kilometer sicher gefahren wurden. Business Case: Die Nutzer freuen sich über Gutscheine und die MileBox Partner erhalten mit der App eine mobile Plattform, um sich zu präsentieren und mit ihrer Zielgruppe zu interagieren.

Die SeasWien App repräsentiert eine neuartige, schnelle und persönliche Form der Versicherungsberatung. Wienerinnen und Wiener finden hier spezielle Versicherungsangebote, Preise und Beratung. Die App generiert mit nur wenigen persönlichen Angaben (Alter, Familienstand, Wohnbezirk) das passende Versicherungsangebot.

Smart-Insurance-Initiative bei der Generali

Hinsichtlich Digital Lab sind bei der Generali keine Hinweise – allerdings wurden seitens Generali digitale Kooperationsprojekte, wie zum Beispiel mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery geschlossen. Im Rahmen der Generali Smart-Insurance-Initiative und dem Programm Vitality, soll Kunden eine Rabattierung von Versicherungsprämien durch Self-Tracking-Schnittstellen ermöglicht werden. Anstatt erst im Schadenfall da zu sein, will Generali mit Big Data & Analytics schon vorher seine Versicherten unterstützen, indem man Empfehlungen für ein besseres Leben gibt und damit späteren Schaden vermeidet.

Wohin geht die Reise?

Die Digitalisierung ist bei den deutschen Versicherungen weiterhin im vollen Gange  das ist kein Geheimnis. Das Gründen von Digital Labs ist hierbei sicherlich eine Möglichkeit um mit branchenfremder Expertise an innovative Ideen zu gelangen. Der große Wurf ist aus meiner Sicht aber noch keinem Versicherer gelungen. Besonders mit dem Blick auf das Thema Zahlungsverkehr lassen Neuerungen auf sich warten. Und dabei wäre doch bereits das Einrichten von neuen Zahlungswegen wie PayPal oder paydirekt eine kleine Sensation.